Tauschwert

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„Die politische Ökonomie hat zwar den Wert einer Ware analysiert, aber sie hat niemals den wahren Inhalt des Tauschwertes herausgefunden.“ K Marx: Das Kapital, S. 94ff + Fußnote 32

1674 Samuel Butler

„Der Wert eines Dings ist grade so viel, wie es einbringen wird.“ Butler, zit in KM1, S.51, Fn 7

Kommentar: Mit Wert meint Butler vermutlich den Tauschwert. Wenn Butler mit „einbringen“ eine Geldmenge G meint, dann liegt er falsch, da der Tauschwert eine Größe und Geld eine reale Menge ist. Größen und Mengen sind miteinander nicht vergleichbar. Wenn Butler mit „einbringen“ den Produktwert der eingetauschten Waren- oder Geldmenge meint, dann hat er wiederum recht, denn τA = pE. Der Tauschwert eines Dinges (τA) ist so viel, wie der Produktwert (pE), den es einbringt.

1690 Nicholas Barbon

„Die eine Warensorte ist so gut wie die andere, wenn ihr Tauschwert gleich groß ist. Da existiert keine Verschiedenheit oder Unterscheidbarkeit zwischen Dingen von gleich großem Tauschwert.“ N. Barbon, l.c.p. 53 u. 7, zit in KM1, S.52, Fn 8

Kommentar: Es existiert eine Verschiedenheit und erst recht eine Unterscheidbarkeit zwischen Weizen und Eisen. Zur Unterscheidbarkeit: Eisen ist ein Metall, Weizen ein organischer Kohlenwasserstoff, Weizen kann man essen, an Eisen wird sich Herr Barbon die Zähne ausbeißen. Zur Verschiedenheit: Eisen und Weizen befriedigen unterschiedliche Bedürfnisse. Meiner Meinung nach verwechselt Barbon Gebrauchswert und Tauschwert.

„Nichts kann einen inneren Tauschwert haben.“ N. Barbon, l.c.p. 6, zit in KM1, S.51, Fn 7

Kommentar: Hier hat Barbon recht, weil der Tauschwert nur in Bezug zum Produktwert der anderen Ware besteht.

„Die eine Warensorte ist so gut wie die andre, wenn ihr Tauschwert gleich groß ist. Blei oder Eisen im Werte von einhundert Pfund Sterling haben gleich großen Tauschwert wie Silber und Gold im Werte von einhundert Pfund Sterling. Die eine Warensorte ist so gut wie die andre, wenn ihr Tauschwert gleich groß ist. Da existiert keine Verschiedenheit oder Unterscheidbarkeit zwischen Dingen von gleich großem Tauschwert.“ N. Barbon, l.c.p. 53 u. 7, zitiert in KM, Bd1, S. 51, Fn 8

Kommentar: Auch bei Barbon scheint der Tauschwert eine Größe zu sein (erster Satz). Aber gleich im nächsten Satz macht er den gleichen Fehler wie alle anderen Ökonomen vor ihm auch schon: er setzt reale Mengen gleich. 100 Pfund Sterling ist eine reale Menge Silber eines bestimmten Reinheitsgrades. 1 Pfund ist eine alte Gewichtseinheit und entspricht seit Karl dem Großen 408 Gramm. 100 Pfund sind somit 40,8 kg. Sterling ist eine Bezeichnung für Silber des Reinheitsgrades in Höhe von mindestens 925/1000, das heißt in einer bestimmten Menge Silber sind 925 Anteile chemisch reines Silber und 75 Anteile andere Zusatzstoffe oder Verunreinigungen. 100 Pfund Sterling entspricht also 40,8 kg * 925/1000 reinem Silber (= 37,74 kg Ag). 3,06 kg gehören zu anderen Metallen die mit Silber geo-mineralogisch vergesellschaftet (oder metallurgisch legiert) sind. Blei und Eisen sind aber völlig andere Stoffe als Silber und man kann weder Blei mit Silber noch Eisen mit Silber gleich setzen. Das einzige was man gleich setzen kann, sind 100 Pfund Sterling = 100 Pfund Sterling (40,8 kg Ag925 = 40,8 kg Ag925), was uns aber keinen Schritt weiter hilft, hinter den Tauschwert zu kommen. Die Schlußfolgerungen von Barbon (Satz 3 und 4) bauen also auf einem Denkfehler auf.

1739 unbekannter Autor

„Der Wert von Gebrauchsgegenständen, sobald sie gegeneinander ausgetauscht werden, ist bestimmt durch das Quantum der zu ihrer Produktion notwendig erheischten und gewöhnlich angewandten Arbeit.“ Autor unbekannt, 1739, zit in KM1, S.54, Fn 9

Kommentar: Wert wird als Größe verwendet, da es sich bei Gebrauchsgegenständen um eine reale Menge handelt. Der Nebensatz ´…, sobald sie gegeneinander ausgetauscht werden, …´ läßt auf den Tauschwert schließen. Arbeit wird hier wiederum zur Umschreibung einer Tätigkeit verwendet, und nicht als die physikalische Größe Arbeit. Hätte der Autor Arbeitszeit (statt Arbeit) geschrieben, würde diese Aussage unseren Definitionen τ1 = p2 und τ2 = p1 entsprechen.

1776 Adam Smith

Der Versuch einer Tauschwertdefinition findet sich in Reichtum der Nationen, S. 38 (siehe Link zur Werkstatt).

„Smith leitet den Tauschwert aus der Arbeit ab, dessen Größe durch die in Zeit gemessene Menge an allgemeiner gesellschaftlicher Arbeit bestimmt wird.“ P Thal in Einf zum Reichtum der Nationen, 1.Bd, S.XXXVIII

Das ist nach unserer Definition der Produktwert. Der Tauschwert einer Ware wird zwar auch von der Arbeitszeit abgeleitet, aber eben von der, die zur Herstellung des eingetauschten Produkt benötigt wurde. (siehe Artikel in der konsIkon). Insofern hätte Smith den Tauschwert mit dem Produktwert verwechselt.

„Nachdem Boden und Produktionsmittel zu Privateigentum geworden sind, wird Smith an seiner ursprünglichen Werttheorie irre. Jetzt (beim Übergang von der einfachen Warenwirtschaft Ware gegen Ware zum Kapitalismus und seinen hauptsächlichen Tauschformen Ware gegen Geld und Geld gegen Ware) wird der Wert einer Ware nicht mehr durch die Arbeit bestimmt, die in der betreffenden Ware selbst steckt, sondern durch die Arbeit, die im Austausch für diese Ware auf dem Markt erhältlich ist. Er verlegt damit die Wertbestimmung von der Produktion in die Sphäre der Zirkulation.“ P Thal in Einf zu Reichtum der Nationen, 1.Bd,S.XL

Das wäre eine lupenreine Definition des Tauschwertes gewesen, wenn Adam Smith von der Arbeitszeit statt von der Arbeit geredet hätte. Eine Größe (also die Arbeitszeit) ist aber etwas anderes als eine Tätigkeit (die Arbeit).

1777 Le Trosne

„Der Wert besteht in dem Tauschverhältnis, das zwischen einem Ding und einem anderen, zwischen der Menge eines Erzeugnisses und der eines anderen besteht.“ Le Trosne: De l’Intérêt Social, in Physiocrates, éd. Daire, Paris 1846, p. 889., zit in KM1, S.51, Fn 6

Kommentar: Wenn Le Trosne mit Verhältnis wirklich einen mathematischen Quotienten meint, wird es ganz schwierig, da man Mengen unterschiedlicher Einheit nicht gegenseitig dividieren kann. Man kann nicht 5 Affen durch 10 Esel dividieren.

1820 Jean-Baptiste Say

„Man erhält um so mehr Tauschwert, je mehr Gebrauchswert einem die Produktion liefert.“ J. B. Say in ´Lettres à M. Malthus´, Paris 1820, p. 168, 169; zitiert in KM: Das Kapital, Bd 1, S. 633, Fn 60

Kommentar: Auch hier wieder eine Verknüpfung zweier Größen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Richtigerweise müßte es heißen: Wenn man Produkte P1 herstellt, die für andere Leute einen Gebrauchswert haben, kann man sie gegen Produkte P2 tauschen, die für einen selber einen Gebrauchswert haben und bekommt durch den Produktwert von P2 seine Arbeitszeit für P1 erstattet. In der Geldwirtschaft lautet die richtige Aussage: Wenn man Produkte P1 herstellt, die für andere Leute einen Gebrauchswert haben, kann man sie gegen Geld tauschen (Verkauf W ⇔ G) und bekommt durch den Produktwert des Geldes seine Arbeitszeit für die Produkte P1 gesellschaftlich anerkannt. Das Geld kann man im Anschluß wiederum gegen Produkte P2 tauschen (Kauf G ⇔ W). Der Produktwert von P2 ist am Ende der Tauschwert von P11 = p2). Hier erhalten wir den ersten Hinweis darauf, daß es auf den Produktwert des Geld in der Zirkulation gar nicht mehr ankommt.

1859 Karl Marx in Kritik der Politischen Ökonomie

„Der Tauschwert erscheint zunächst als quantitatives Verhältnis, worin Gebrauchswerte gegeneinander austauschbar. In solchem Verhältnis bilden sie dieselbe Tauschgröße. So mögen 1 Band Properz und 8 Unzen Schnupftabak derselbe Tauschwert sein, trotz der disparaten Gebrauchswerte von Tabak und Elegie. Als Tauschwert ist ein Gebrauchswert grade so viel wert wie der andere, wenn nur in richtiger Portion vorhanden. Der Tauschwert eines Palastes kann in bestimmter Anzahl von Stiefelwichsbüchsen ausgedrückt werden. Londoner Stiefelwichsfabrikanten haben umgekehrt den Tauschwert ihrer multiplizierten Büchsen in Palästen ausgedrückt.“ S.16

Kommentierung des ersten Satzes im Artikel Tauschwert der old econ.

2.Satz: Hier finden wir bei Marx den ersten Hinweis darauf, daß es sich bei Tauschwert um eine Größe handelt!

3. Satz: Bei ´1 Band Properz´ handelt es sich um eine reale Menge, ebenso bei ´8 Unzen Schnupftabak´. In beiden Produktmengen steckt menschliche Arbeitszeit, so daß sie einen Produktwert haben. Wird 1 Band Properz gegen 8 Unzen Schnupftabak getauscht, so entspricht der Produktwert von 8 uz Schnupftabak dem Tauschwert von 1 Band Properz und der Prouktwert von 1 Band Properz dem Tauschwert von 8 uz Schnupftabak. In Formeln ausgedrückt: τProperzmenge = pSchnupftabakmenge und τSchnupftabakmenge = p Properzmenge, oder τ1 = p2 und τ2 = p1. Völlig richtig, daß die Bedürfnisse, welche Properz und Schnupftabak befriedigen ganz unterschiedlicher Art sind.

4. Satz: Marx verwendet hier die Begriffe Tauschwert und Gebrauchswert als Synonyme für Waren, weshalb der Satz wie folgt lauten müßte: ´Ware 1 ist gerade soviel wert wie Ware 2. ´ – korrekterweise: Der Tauschwert von Ware 1 entspricht dem Produktwert von Ware 2 und vice versa.

5. Satz: Nicht ganz richtig. Korrekterweise müßte der Satz wie folgt lauten: ´Der Tauschwert eines Palastes kann als Produktwert einer bestimmten Anzahl von Stiefelwichsbüchsen ausgedrückt werden. ´ (oder τPalast = p von n Stiefelwichsbüchsen).

6. Satz: Wenn Marx seine Ausführungen konsequent bis zu Ende gedacht hätte, wäre er hier schon dahinter gekommen, daß es sich bei Austausch um eine symmetrische Beziehung handelt und somit jede Ware einen Tauschwert hat! Auch die Stiefelwichsbüchsen haben einen Tauschwert, nämlich den Produktwert des Palastes (τStiefelwichsbüchsen = pPalast)- vorausgesetzt, daß Palast und Stiefelwichsbüchsen gegeneinander getauscht werden!

1865 Karl Marx im Kapital

„Der Tauschwert erscheint zunächst als das quantitative Verhältnis, die Proportion, worin sich Gebrauchswerte einer Art gegen Gebrauchswerte anderer Art austauschen1, ein Verhältnis, das beständig mit Zeit und Ort wechselt2. Der Tauschwert scheint daher etwas Zufälliges und rein Relatives3, ein der Ware innerlicher, immanenter4 Tauschwert (valeur intrinsèque) also eine contradictio in adjecto.“ KM1, S.50

Kommentar: Verhältnis im Kontext mit Proportion wird im Sinne von Quotient verwendet. Tauschwert wird hier im Sinne einer Größe, Gebrauchswert als Gegenstand verwendet. Die Quotientenbildung scheitert aber daran, daß man Mengen unterschiedlicher Einheit nicht dividieren kann. Gebrauchswert wird hier im Sinne einer realen Menge verwendet. Man kann aber nicht 1 Quarter Weizen durch 50 kg Eisen teilen! (Divisionsverbot für reale Mengen)

1 Marx verwendet das Wort Gebrauchswert hier wieder im Sinne von Gegenständen (realen Mengen), die gegeneinander getauscht werden, wie z.B. 5 kg Kartoffeln ⇔ 3 Stück Kuchen. Mit Mengen unterschiedlicher Einheit kann man aber kein quantitatives Verhältnis (Quotienten) bilden, da sie inkomparabel und somit nicht dividierbar sind. Bitte dividieren Sie einmal 5 kg Kartoffeln durch 3 Stück Kuchen.
2 Der Tauschwert einer Ware W1 besteht als Zuweisungsgröße zum Produktwert einer anderen Ware W2: τ1=p2 und τ2=p1. Da diese Beziehungen nur im Moment des Austausches W1DW2 bestehen und ausschließlich von den Produktwerten der getauschten Warenmengen abhängen, die von Zeit und Ort verschieden sein können, hat Marx hier recht.
3 Zufällig deswegen, da es reiner Zufall ist, welche Warenmengen A und B gegeneinander tauschen und Relativ deswegen, weil die Tauschwerte von W1 und W2 in Relation zu p1 und p2 stehen.
4 Der Tauschwert ist keine innerliche, immanente Größe, sondern existiert nur in Beziehung zum Produktwert einer anderen Ware. Der Produktwert einer Ware ist dagegen eine innerliche, immanente Größe.

„Im Austauschverhältnis der Waren selbst erschien uns ihr Tauschwert als etwas von ihren Gebrauchswerten durchaus Unabhängiges. KM1, S.53

Kommentar: Verhältnis wird hier im Sinne von Beziehung verwendet und meint den Austausch zweier Warenmengen W1 ⇔ W2. Tauschwert und Gebrauchswert werden als Größe verwendet, so daß die Aussage übrig bleibt: Der Tauchwert ist etwas anderes als der Gebrauchswert.

„… die Tauschwerte der Waren sind auf ein Gemeinsames zu reduzieren, wovon sie ein Mehr oder Minder darstellen.“ KM, Bd1, S.51 „Das Gemeinsame, was sich im Austauschverhältnis oder Tauschwert der Ware darstellt, ist also ihr Wert.“ KM, Bd1, S. 53

Kommentar: Satz 1 ist noch richtig, wenn wir unterstellen, daß dieses „Gemeinsame“ die menschlichen Arbeitszeiten sind, die in den hergestellten Waren stecken. Der 2. Satz ist eine Tautologie zum ersten Satz und erklärt nichts weiter.

„Der Wert1 einer Ware verhält sich zum Wert2 jeder anderen Ware wie die zur Produktion der einen notwendige Arbeitszeit zu der für die Produktion der anderen notwendigen Arbeitszeit.3“ KM1, S. 54

Kommentare:
1 Ersetze Wert durch Tauschwert und
2 ersetze Wert durch Produktwert dann würde diese Aussage stimmen.
3 τ1 = p2 und τ2 = p1
Das wäre die Definition des Tauschwertes gewesen, wenn Marx sauber zwischen Tauschwert und Produktwert unterschieden hätte. Ich vervollständige den Satz mal mit den richtigen Begriffen. „Der Tauschwert einer Ware verhält sich zum Produktwert der anderen Ware wie die zur Produktion der einen notwendigen Arbeitszeit 1 = p2) zu der für die Produktion der andren notwendigen Arbeitszeit 2 = p1).“

1883 Achille Loria

„… der Wert ist nichts andres als das Verhältnis, worin eine Ware mit einer anderen sich austauscht …“ A Loria, zit in KM: Das Kapital, Bd 3, S. 898

Kommentar: Loria scheint mit Verhältnis den Quotienten Warenmenge W1 zu Warenmenge W2 zu meinen, was aber nicht geht, da Mengen unterschiedlicher Einheit nicht durcheinander dividierbar sind. 5 Affen kann man nicht durch 10 Esel teilen. Mit Austausch meint Loria W1 ⇔ W2, welches Verhältnis er aber meint, bleibt unklar.

1993 Rüdiger Pohl

„Der Tauschwert des Geldes bestimmt sich heutzutage nach dem zugewiesenen Nominalwert. Es ist verwunderlich, daß die Menschen Geld akzeptieren, welches keinen Stoffwert mehr hat.“ R Pohl: Geld u Währung, S. 18

Kommentar: Welche Einheit hat die Größe Nominalwert? Welchen Wert hat ein Name (nominal = dem Namen nach)? Mit nominal könnte aber auch die Adjektivierung von Nomisma gemeint sein. Nomisma ist ein vom Gesetzgeber (Nomos) aufgestelltes Wertmaß. Da alle juristischen Gesetze zu diesem Thema bisher Mengeneinheit mit Größeneinheit verwechselt haben, sind sie aus erkenntnistheoretischer Sicht nicht einmal das Papier wert, auf dem sie geschrieben stehen. Juristische Gesetze haben übrigens nichts mit Naturgesetzen zu tun, was allein die Anzahl der Änderungen juristischer Gesetze zeigt. Naturgesetze gelten ewig, juristische Gesetze höchstens bis zum nächsten Wechsel der zugrundeliegenden Interessen.