Produktwert

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Der Begriff ´Produktwert´ wird in der alten Ökonomie nirgendwo verwendet, aber er ist quasi versteckt in den Ausführungen enthalten.

1667 bei William Petty

Bestimmung des (Produkt)Wertes durch die Arbeitszeit bei William Petty in ´A Treatise of Taxes and Contributions´, London, 1667 (siehe Link), zitiert in KM4.1,S.331

1776 bei Adam Smith

„Smith bestimmt den Wert einer Ware durch die in ihr selbst enthaltenen Arbeitszeit.“ P Thal in Einf zum Reichtum der Nationen, 1.Bd, S.XXXIX
„Nachdem Boden und Produktionsmittel zu Privateigentum geworden sind, wird Smith an seiner ursprünglichen Werttheorie irre. Jetzt (beim Übergang von der einfachen Warenwirtschaft Ware gegen Ware zum Kapitalismus und seinen hauptsächlichen Tauschformen Ware gegen Geld und Geld gegen Ware) wird der Wert einer Ware nicht mehr durch die Arbeit bestimmt, die in der betreffenden Ware selbst steckt, sondern durch die Arbeit, die im Austausch für diese Ware auf dem Markt erhältlich ist. Er verlegt damit die Wertbestimmung von der Produktion in die Sphäre der Zirkulation.“ P Thal in Einf zu Reichtum der Nationen, 1.Bd,S.XL

Der erste Abschnitt ist die lupenreine Definition des Produktwertes, der zweite Abschnitt die exakte Definition des Tauschwertes.

bei David Ricardo

Schon Ricardo sagte: „Der Wert einer Ware wird stets durch das Quantum der ihr einverleibten Arbeit bestimmt.“ Ricardo, zit in K Marx: Das Kapital, S. 69, Fußnote 20

Aufgrund des Wörtchens ´stets´ ist zu vermuten, daß Ricardo vom Produktwert redet, da der Tauschwert vom Tausch und der Gebrauchswert vom Menschen abhängt. Hätte er statt ´Arbeit´ ´Arbeitszeit´ geschrieben, wäre diese Größe schon gefunden worden. Naja, der Gang der Erkenntnis ist manchmal recht langwierig. Das ´Arbeit´ damals schon im Sinne von Arbeitszeit verstanden wurde, möge eine Schrift seines Nachfolgers beweisen: „Ein Mann hat eine Woche auf Herstellung dieses Bedarfsgegenstands verwandt …“ Some Thoughts on the Interest of Money in general etc., p. 39; zit in KM1, S.61 Fn 16

1865 bei Karl Marx

„Ein Gebrauchswert oder Gut hat also nur einen Wert, weil abstrakt menschliche Arbeit in ihm vergegenständlicht oder materialisiert ist. Wie nun die Größe seines Werts messen? Durch das Quantum der in ihm enthaltenen wertbildenden Substanz, der Arbeit. Die Quantität der Arbeit selbst mißt sich an ihrer Zeitdauer, und die Arbeitszeit besitzt wieder ihren Maßstab an bestimmten Zeitteilen, wie Stunde, Tag usw.“ KM: Kapital, Bd1, S.53

Man muß seine Begrifflichkeiten nur richtig übersetzen. Mit ´Wert´ meint er den Produktwert, mit ´abstrakt menschliche Arbeit´ meint er die Arbeitszeit (wie er es zwei Sätze weiter ja selber sagt). Mit ´Größe seines Werts´ meint er den Größenwert eines Produktwertes (z.B. 100 h menschliche Arbeitszeit).  Die Arbeit selber ist keine wertbildende Substanz, sondern eine Tätigkeit. Solche Phrasen muß man entweder überlesen, übersetzen oder korrigieren. Der letzte Satz ist ausnahmsweise völlig korrekt, so daß dafür keine Kommentierung notwendig ist.

„Was zweitens der Bestimmung der Wertgröße zugrunde liegt, die Zeitdauer jener Verausgabung oder die Quantität der Arbeit, so ist die Quantität sogar sinnfällig von der Qualität der Arbeit unterscheidbar. In allen Zuständen mußte die Arbeitszeit, welche die Produktion der Lebensmittel kostet, den Menschen interessieren“ KM1, S. 85

Mit ´Wertgröße´ meint er den Produktwert, der ja eine Wertgröße ist, weil es eine Größe ist in der das Wort ‚Wert‘ vorkommt. Quantität ist eine Zahl, also z.B. die 100 vor der Stunde. Der Begriff Qualität hat wiederum mehrere Bedeutungen. Zum einen bezeichnet man die Größeneinheiten als Qualität, zum anderen die Tätigkeiten. Bei der Angabe v = 60 km/h ist 60 die Quantität und km/h die Qualität des Größenwertes. Arbeitstätigkeiten wie Schneidern, Maler, Backen, Weben, Schweißen, Feilen, Hobeln, Polieren, Sägen, etc. pp. sind verschiedene Qualitäten des Arbeit. Tätigkeiten lassen sich nicht quantifizieren, weil es keine „Grundtätigkeit“ gibt, zu der man sie ins Verhältnis setzen könnte. Selbst wenn man 1 Pinkeln als „Grundtätigkeit“ definieren würde, würde „Schneidern = 5 x Pinkeln“ keinen Sinn ergeben, oder?

Auf Seite 633 in der Fußnote 60 des 1. Bandes vom Kapital verwendet Marx das erste mal den Begriff Produktenwert und auf Seite 888 des dritten Bandes liefert er endlich dessen Definition: „… die zur Produktion einer Ware nötige Arbeitszeit, d.h. ihren Wert, …“ KM: Das Kapital, Bd 3, S. 888.
Man braucht also schon eine Menge Ausdauer und Hartnäckigkeit, um Marx zu verstehen. Außerdem muß man noch ein bißchen mitdenken und das Wörtchen ´Wert´ als Produktwert interpretieren. Da Marx aber von Arbeitszeit redet, kann es sich bei dem Wort ´Wert´ nur um eine Größe handeln. Da er von der ´Produktion einer Ware´ redet, kann es sich nur um den Produktwert handeln.